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Viskose (Lyocell-Verfahren)

Viskose ist eine künstliche Chemiefaser, die aus pflanzlicher Cellulose gewonnen wird. Ihr klassisches Herstellungsverfahren ist umweltschädlich und verbraucht viele natürliche Ressourcen. Das Lyocell-Verfahren dagegen ist umweltfreundlicher.

Foto von Viskose (Lyocell-Verfahren)

Woher kommt Viskose?

Viskose ist eine künstliche Chemiefaser, die aus regenerierter Cellulose von Pflanzen wie Baumwolle oder Bambus gewonnen wird. Dieses chemische Verfahren zur Umwandlung von Naturfasern wurde von einem Franzosen erfunden: Hilaire de Chardonnet. 1884 versuchte er, Seide nachzuahmen, indem er die Seidenraupen durch pflanzliche Cellulose aus Holzzellstoff ersetzte.

Heute ist Viskose in der Textilindustrie weit verbreitet und aus der Bekleidung nicht mehr wegzudenken. Schätzungsweise werden weltweit jedes Jahr 99 Millionen Tonnen Holzzellstoff zur Herstellung von Viskose verwendet! Man findet sie in T-Shirts ebenso wie in Hosen, Kleidern oder Röcken … Ein echtes Allround-Material !

Viskose entsteht durch die chemische Umwandlung von Pflanzenfasern
Viskose entsteht durch die chemische Umwandlung von Pflanzenfasern

Warum Naturfasern durch künstliche Fasern ersetzen?

Manche Naturfasern ergeben einen eher rauen, dicken Stoff, der sich wenig angenehm anfühlt. Mit Viskose lässt sich pflanzliche Cellulose zu künstlichen Fasern umwandeln, die viel geschmeidiger, feiner und weicher sind. Der Stoff aus diesem Material, Viskose (auch Kunstseide oder Rayon genannt), ist sehr fließend, glänzend, weich, fein und angenehm zu tragen, auch für empfindliche Haut. Er sorgt zum Beispiel bei Kleidern oder T-Shirts für einen sehr anschmiegsamen, fließenden Look. Stoffe aus Viskose sind sehr strapazierfähig und halten außerdem die Farbe gut. Sie überstehen wiederholtes Waschen besser als Naturfasern, die ausbleichen können. Und für alle, die es eilig haben: Dieser fließende Stoff knittert kaum und muss selten gebügelt werden!

Viskose hat im Vergleich zu Naturfasern aber auch einige Nachteile. Künstliche Viskosefasern nehmen keine Feuchtigkeit auf und speichern keine Wärme. Sie eignen sich daher nicht für Winterkleidung oder technische Sportbekleidung und können beim Schwitzen unangenehm sein.

Viskose hält Feuchtigkeit zurück
Viskose hält Feuchtigkeit zurück

Besonderes Augenmerk auf das Herstellungsverfahren: das Lyocell-Verfahren bevorzugen.

Das „klassische“ Herstellungsverfahren von Viskose ist umweltschädlich und verbraucht viele natürliche Ressourcen. Viskose wird nämlich in einem chemischen Verfahren hergestellt, bei dem aus pflanzlicher Cellulose künstliche Fasern entstehen. Für diese Kunstseide können alle möglichen Pflanzenfasern verwendet werden, von Baumwolle über Eukalyptus bis Bambus. Zuerst wird eine Mischung aus Natriumsulfat und Zitronensäure verwendet, um die pflanzliche Cellulose aus den Naturfasern zu lösen. Anschließend wird Schwefelkohlenstoff eingesetzt, um diese Mischung in einen Pflanzenbrei zu verwandeln, der dann zu Fäden gezogen und verwebt wird. Die so gewonnenen Fäden werden danach mit Sulfaten abgekühlt, die die Fasern fixieren.

Dieses chemische Verfahren hat also erhebliche negative Auswirkungen auf die Umwelt:

  1. Zunächst sind Zitronensäure und Natriumsulfat giftige Chemikalien, die oft nicht recycelt werden. In den Entwicklungsländern, in denen Viskose hergestellt wird und es keine Aufbereitung chemischer Abfälle gibt, gelangen sie in die Natur und in Flüsse und verschmutzen die Ökosysteme.
  2. Schwefelkohlenstoff ist giftig, entzündlich und sehr flüchtig. Er verursacht eine erhebliche Luftverschmutzung.

Die Herstellung künstlicher Fasern verbraucht außerdem sehr viel Wasser und verschwendet einen großen Teil der Pflanzen. Man braucht nämlich etwa 1 kg Naturfasern, um 400 g regenerierte Viskosefasern zu erhalten, was zur Abholzung beiträgt. Gesundheitlich und sozial sind die Arbeiter*innen in diesen Fabriken täglich Chemikalien ausgesetzt, was giftig sein und ihrer Gesundheit ernsthaft schaden kann, wenn sie nicht entsprechend ausgerüstet sind. Schließlich finden sich die bei der Herstellung eingesetzten Chemikalien in den Viskosefasern und im fertigen Produkt wieder, das ständig mit der Haut in Kontakt ist.

Das Lyocell-Verfahren ist dagegen umweltfreundlicher.

Bei diesem Verfahren wird ein ungiftiges, recycelbares organisches Lösungsmittel verwendet: NMMP (N-Methylmorpholin-N-oxid-Monohydrat).

Wird Holzcellulose in diesem Lösungsmittel aufgelöst, entsteht eine zähflüssige Masse. Die Cellulose bildet dabei Fasern. Diese werden gewaschen und getrocknet, bevor sie miteinander verdreht werden. So entstehen fertige Fasern aus organischem Material von Bambus, Eukalyptus oder Laubbäumen. Nach Abschluss der Herstellung wird das zum Auflösen verwendete Lösungsmittel zu 99,7 % in einem Spülbecken zurückgewonnen.

Diese nahezu vollständige Rückgewinnung des Lösungsmittels ist also ein großer wirtschaftlicher und ökologischer Vorteil.

Nach der Rückgewinnung und Trocknung werden die Fasern für die Herstellung zahlreicher Kleidungsstücke verwendet.

Ist Viskose (Lyocell-Verfahren) umweltfreundlich ?

Risiken intensiver Monokulturen

Auch wenn es dazu keine genauen Zahlen gibt, sollte man beim Holzzellstoff für die Viskoseherstellung (auch im Lyocell-Verfahren) wachsam bleiben. Das Holz soll zwar aus zertifizierten und nachhaltigen Forstbetrieben stammen, die eigens dafür bewirtschaftet werden, doch das sollte man überprüfen. Tencel ist eine künstliche Faser aus einem pflanzlichen Rohstoff, der bei schlechter Bewirtschaftung der Umwelt schaden kann. Plantagen aus nur einer Baumart (Monokultur) fördern nicht dieselbe Artenvielfalt und können sich negativ auf die Umwelt auswirken : Solche Wälder aus einer einzigen Baumart sind anfälliger für Stürme und Brände und weniger widerstandsfähig gegen Krankheiten. Der Anbau einer einzigen Art, die immer dieselben Nährstoffe entzieht, laugt die Böden aus. Deshalb ist es wichtig, sich über die Rückverfolgbarkeit dieser natürlichen Cellulose zu informieren.

risque monoculture tencel
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