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// Stand: September 2026

Unsere Charta für die Auswahl nachhaltiger Modemarken

Wir suchen keine perfekten Kleidungsstücke.

Gut so, denn die gibt es nicht. Nachhaltige Mode steckt voller Nuancen, und unsere Aufgabe ist es, sie uns Kleidungsstück für Kleidungsstück anzuschauen und dir dann zu erklären, was wir herausgefunden haben.

Ein Material kann in einem Mantel eine gute Idee sein und in einem T-Shirt eine schlechte. Ein Label kann den Baumwollanbau garantieren, ohne etwas über die Werkstatt zu sagen. Ein Land auf einem Etikett erzählt nur von einem von fünf Schritten.

Diese Seite zeigt, wie wir das alles lesen: die Methode, die Mindeststandards, die wir von Marken verlangen, die Materialien, die wir ins Sortiment aufnehmen, die Kompromisse, die wir eingehen, und wo wir Nein sagen.

Wir könnten dir sagen, dass es das perfekte Material gibt. Das wäre praktisch. Und falsch.

// In 30 Sekunden

  1. Wir wählen Kleidung nach strengen ökologischen und sozialen Kriterien aus.

  2. Wir glauben weder an Wundermaterialien noch an perfekte Lösungen.

  3. Wir achten auf die Details und stehen zu den Kompromissen, die wir eingehen.

  4. Wir wollen besser gemachte Kleidung, die wirklich lange getragen wird.

// Kapitel 01

Wie wir auswählen

Bevor ein Kleidungsstück in die Auswahl kommt, lesen wir seine Zusammensetzung, fragen nach, wo seine Herstellungsschritte stattfinden, prüfen seine Zertifizierungen und versuchen herauszufinden, ob es drei Jahre hält. Vier Prinzipien kommen dabei jedes Mal zum Tragen.

Wir schauen uns das ganze Kleidungsstück an, nicht nur seine Hauptfaser +

Eine Zusammensetzung reicht nicht. Wir fragen, woher das Material kommt, wie es verarbeitet wurde, mit welchen Verfahren, in welcher Produktionsstätte und was die Marke belegen kann. Ein T-Shirt aus Bio-Baumwolle, genäht in einer Fabrik, deren Namen niemand kennt, kommt nicht durch, selbst mit dem richtigen Zertifikat.

Unser Bewertungsraster: Material · Herkunft · Verarbeitung · Verfahren · Ort · soziale Bedingungen · Zertifizierungen · Transparenz.

Wir fragen nach dem, was nicht auf dem Etikett steht +

Marken antworten selten beim ersten Mal. Wir fragen nach, fordern Unterlagen an und vergleichen mit dem, was wir über die Branche wissen. Bleibt eine Antwort in einem wichtigen Punkt vage, werten wir das als Antwort: Das Teil kommt nicht ins Sortiment.

Eine Marke, die ihre Produktionsstätten nicht benennen kann, hat sie wahrscheinlich nie besucht.

Wir berücksichtigen, wie ein Kleidungsstück wirklich getragen wird +

Dieselbe Abwägung führt bei einem T-Shirt, das direkt auf der Haut getragen wird, einer Regenjacke und einer Jeans nicht zum selben Ergebnis. Zwei Prozent Elasthan in einer Hose, die man fünf Jahre lang zweimal pro Woche trägt, sind etwas anderes als in einem Basic-T-Shirt.

Wir denken pro Kleidungsstück und Verwendung, nicht mit einer Liste zugelassener Materialien.

Wir sagen offen, was uns stört +

Jede Produktseite nennt ihre Vorbehalte, wenn es welche gibt. Das zu schreiben dauert länger als ein grünes Logo, und es ist das Einzige, womit du selbst entscheiden kannst.

Wenn wir eine Entscheidung nicht erklären können, hat sie in unserer Auswahl nichts verloren.

Es geht nicht darum, eine Auswahl zusammenzustellen, die aus der Ferne perfekt aussieht. Es geht darum, jede einzelne Entscheidung begründen zu können.

// Kapitel 02 · Lyon, 2018

Unsere Geschichte

WeDressFair wurde 2018 in Lyon von Marie und Antoine gegründet. Als sie einfach nur versuchten, ihre Kleidung bewusster auszuwählen, merkten sie, wie schwer es ist zu verstehen, was wirklich hinter den Aussagen der Marken steckt: Bio-Baumwolle, Made in Europe, recycelte Materialien, Zertifizierungen.

Also haben sie recherchiert. Verglichen. Den Marken Fragen gestellt und dieselben Fragen noch einmal, wenn die Antworten vage blieben.

Wir wollten uns einfach nur besser kleiden. Am Ende haben wir einen Beruf daraus gemacht.

WeDressFair macht diese Arbeit zugänglich: eine Auswahl, deren Hintergründe wir kennen, und eine Charta, die wir schwarz auf weiß aufschreiben, statt sie in einem Logo zusammenzufassen. Unsere übrigen Verpflichtungen, einschließlich Satzung und Unternehmensführung, erklären wir auf der Seite zum Projekt WeDressFair.

Marie und Antoine, Mitgründer von WeDressFair, in Lyon
Marie und Antoine, Mitgründer
  1. 2018

    Marie und Antoine gründen WeDressFair in Lyon, nachdem sie monatelang Produktbeschreibungen durchforstet haben.

  2. 2019

    Erste schriftliche Fassung der Auswahlkriterien.

  3. 2022

    Komplette Überarbeitung des Materialrasters: Die Grenzwerte für synthetische Fasern ändern sich.

  4. 2026

    Die Charta, die du gerade liest. Die nächste Version wird sicher etwas anderes sagen.

// Kapitel 03

Die Materialien

Kein Katalog. Sechs konkrete Fälle, die zeigen, wie wir abwägen. Dreh eine Karte um, um die Rückseite zu sehen.

Bio-Baumwolle

Was wir mögen

Angebaut ohne synthetische Pestizide und chemische Düngemittel, anders als im konventionellen Anbau. Davon profitieren die Böden und die Menschen, die auf den Feldern arbeiten.

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Zertifizierte Wolle

Was wir mögen

Sie wärmt, ohne aufzutragen, muss selten gewaschen werden, nimmt Gerüche auf und altert gut. Eine Faser, die für Jahre gemacht ist.

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TENCEL™

Was wir mögen

Eine Viskose aus einem geschlossenen Kreislauf: Die Lösungsmittel werden aufgefangen und wiederverwendet, und das Holz ist rückverfolgbar.

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Viskose

Was wir mögen

Wenige Materialien bieten diesen Fall und diese Weichheit, zu diesem Preis und so atmungsaktiv.

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Recyceltes Polyester

Was wir mögen

Wir verwenden ein Material wieder, das es schon gibt, statt mit neuem Erdöl von vorn anzufangen.

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2 % Elasthan

Was wir mögen

Kann eine Hose viel bequemer machen, sodass sie viel öfter getragen wird. Das ist keine Nebensache.

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Jedes Material hat seinen eigenen Steckbrief: Bio-Baumwolle, Zertifizierte Wolle, TENCEL™, Viskose, Recyceltes Polyester, 2 % Elasthan.

Gleiche Methode für die anderen: Polyamid, Leinen, Merinowolle, recycelte Baumwolle. Die Details, Material für Material, findest du in unserem Materialratgeber.

Ja, es gibt gute und schlechte Materialien. Vor allem aber gibt es gut und schlecht eingesetzte Materialien.

// Kapitel 04

Die Produktionsorte

Ein Kleidungsstück entsteht nicht in einem einzigen Land. Mindestens fünf Schritte, oft auf zwei oder drei Kontinenten. „Made in France“ oder „Made in Europe“ bezeichnet fast immer nur den letzten.

  1. 01 Rohstoff Wo wächst oder entsteht die Faser, und unter welchen Bedingungen? Nicht auf dem Etikett
  2. 02 Spinnerei Wer spinnt das Material, oft Tausende Kilometer vom Rest entfernt? Nicht auf dem Etikett
  3. 03 Weben und Stricken Welche Werkstatt macht aus dem Garn Stoff? Nicht auf dem Etikett
  4. 04 Färben Welche Farbstoffe, welche Abwasserbehandlung? Nicht auf dem Etikett
  5. 05 Konfektion Das finale Zusammennähen: der einzige Schritt, von dem das Etikett erzählt. Auf dem Etikett

Ein Land auf einem Etikett erzählt selten die ganze Geschichte.

// Kapitel 05

Die Herstellungsverfahren

Zwischen Faser und Kleidungsstück liegen Färben, Waschungen, Bedrucken und Veredelung. Dort entsteht oft der Großteil der Umweltbelastung eines Kleidungsstücks, und genau das stellt eine Marke fast nie in den Vordergrund.

  • Wir fragen, welche Farbstoffe verwendet werden und wie das Abwasser behandelt wird. Eine eigene Kläranlage vor Ort ändert alles.
  • Sandstrahl- oder Chlorwaschungen sind ein Ausschlusskriterium. Es gibt mechanische oder Laserverfahren, die dasselbe leisten.
  • Bei der Veredelung achten wir auf wasserabweisende Ausrüstungen: kein PFAS, auch wenn es technisch einfacher wäre.

Bio-Baumwolle, die schlampig gefärbt wurde, bleibt ein schlampig gefärbtes Kleidungsstück.

// Kapitel 06

Die sozialen Bedingungen

Löhne, Arbeitszeiten, Gebäudesicherheit, Vereinigungsfreiheit. Wir fragen, wo die Werkstätten sind, wer sie besucht hat und was die Audits festgestellt haben, auch das Negative.

  • Wir bevorzugen Marken, die ihre Werkstätten nennen und einverstanden sind, dass wir sie erwähnen. Transparenz ist der erste Indikator.
  • Fair Wear, SA8000 oder ein detailliertes Audit dienen uns als Grundlage, aber wir lesen lieber die Berichte als das Logo.
  • Ein zu niedriger Verkaufspreis ist ein Warnsignal: Irgendwer, irgendwo wird nicht fair bezahlt.

Eine europäische Werkstatt ist nicht automatisch eine gute Werkstatt. Eine weit entfernte Werkstatt ist nicht automatisch schlecht.

// Kapitel 07

Siegel helfen uns. Das Denken nehmen sie uns nicht ab.

Eine Zertifizierung garantiert einen genau festgelegten Bereich, nie das ganze Kleidungsstück. Der Balken zeigt, was jedes Siegel in der Lieferkette abdeckt und was wir noch selbst prüfen müssen.

  • GOTS

    Bio-Baumwolle

    Anbau und Verarbeitung der Bio-Faser, mit chemischen und sozialen Kriterien entlang der zertifizierten Kette.

    46 % abgedeckt · Konfektion nicht abgedeckt

  • GRS

    Recycelte Materialien

    Recycelter Anteil und Rückverfolgbarkeit des Materials, dazu einige soziale und chemische Anforderungen.

    40 % abgedeckt · Nichts zur Langlebigkeit des Kleidungsstücks

  • RWS

    Wolle

    Tierwohl der Schafe und Weidemanagement, bis zur Schur.

    32 % abgedeckt · Endet vor dem Spinnen

  • RMS

    Mohair

    Gleiches Prinzip wie beim RWS, angewandt auf die Haltung von Angoraziegen.

    30 % abgedeckt · Endet vor dem Spinnen

  • Fair Wear

    Arbeitsbedingungen

    Prüft die Einkaufspraktiken der Marke und die Bedingungen in ihren Nähereien.

    56 % abgedeckt · Nichts zu den Materialien

  • OEKO-TEX

    Schadstoffe

    Keine Schadstoffe im Endprodukt, im Labor getestet.

    24 % abgedeckt · Weder Umwelt noch Soziales

Die Anteile sind Richtwerte: Sie zeigen den Geltungsbereich eines Siegels, nicht seine Qualität. Die Details zu jedem Label findest du in unserem Label-Guide.

// Kapitel 08

Also ja, unsere Auswahl enthält Kompromisse.

Das ist kein Geständnis, sondern unsere Arbeit: zu entscheiden, bis wohin ein Kompromiss akzeptabel bleibt, und sagen zu können, warum. Hier sind die vier, die du in unserer Auswahl findest.

01 · Elasthan

Manche Hosen und Jeans enthalten zwei bis drei Prozent Elasthan.

Akzeptabel, wenn der Tragekomfort darüber entscheidet, ob man das Teil trägt. Abgelehnt in einem Teil, das keins braucht.

02 · Synthetikfasern

Einige Teile enthalten einen kleinen Anteil Polyamid oder Polyester, meistens recycelt.

Akzeptabel für die Strapazierfähigkeit einer Jacke oder eines Futters. Nicht in einem Strick-Basic.

03 · Entfernungen

Manches wird in Europa produziert, anderes sehr viel weiter weg.

Akzeptabel, wenn das Know-how dort liegt und die Bedingungen geprüft sind. Nie, um drei Euro zu sparen.

04 · Rückverfolgbarkeit

Nicht alle Marken haben über die gesamte Lieferkette hinweg die gleiche Rückverfolgbarkeit.

Akzeptabel, wenn sie wissen, wo sie blinde Flecken haben, und daran arbeiten.

// Wo wir Nein sagen

  • Eine Marke, die ihre Nähereien nicht benennen kann.
  • Eine gefährliche chemische Behandlung, die sich durch ein anderes Verfahren ersetzen lässt.
  • Ein Preis, der die Menschen, die das Teil hergestellt haben, nicht fair bezahlen kann.

// Kapitel 09

Am verantwortungsvollsten ist immer noch ein Kleidungsstück, das man lange tragen möchte.

Ein T-Shirt, das auf dem Papier tadellos, aber schlecht geschnitten ist, landet ganz hinten in der Schublade. Deshalb achten wir auch auf ganz praktische Dinge: Sitzt es gut? Fühlt es sich angenehm an? Hält es dreißig Wäschen aus? Lässt es sich reparieren?

// Worauf wir zusätzlich zu den Kriterien achten

  • Schnitt
  • Komfort
  • Verarbeitungsqualität
  • Leicht zu tragen
  • Hält lange
  • Reparierbar
  • In sechs Monaten nicht aus der Mode

// Kapitel 10

Unsere Charta ist nicht in Bio-Baumwolle gemeißelt.

Das Wissen verändert sich. Die Lieferketten verändern sich. Die Materialien verändern sich. Die Zertifizierungen verändern sich. Wir auch. Was wir hier schreiben, wird in der nächsten Version überarbeitet, korrigiert und manchmal widerlegt.

// Was sich geändert hat

  • 2022 Senkung des zulässigen Anteils synthetischer Fasern in Strickteilen.
  • 2024 Neue Anforderung an die Rückverfolgbarkeit beim Färben, lange unser blinder Fleck.
  • 2025 Zwei Marken wurden aus der Auswahl genommen, weil Antworten zu ihren Produktionsstätten ausblieben.

// Was wir gerade prüfen

  • Chemisches Recycling von Mischfasern: vielversprechend, aber noch sehr jung.
  • Sogenannte regenerative Baumwolle, deren Versprechen sich von Projekt zu Projekt enorm unterscheiden.
  • Reparatur: wie weit wir sie selbst organisieren können, statt nur darüber zu reden.

// Im Video

Wir prüfen, was dahintersteckt. Du entscheidest, was du wirklich trägst.

Die Liste der Marken ist öffentlich, und jede Marke sagt dort, was sie herstellt, wo und mit welchen Nachweisen. Ohne Nachweise kommt sie nicht ins Sortiment.

Charta aktualisiert: September 2026