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// Nachhaltiges Material

Was ist Naturkautschuk?

Naturkautschuk ist ein Material aus dem Latex des Kautschukbaums. Verantwortungsvoll angebaut wirkt er sich positiv auf die umliegenden Ökosysteme und die Gemeinschaften der Erzeuger*innen aus.

Foto von Naturkautschuk

Was ist Naturkautschuk?

Kautschuk ist ein natürliches Material pflanzlichen Ursprungs, das aus der Verarbeitung des Latex des Hevea-Baums gewonnen und in einer Vielzahl von Produkten verwendet wird. Schon zur Zeit der Azteken diente Kautschuk bei verschiedenen heiligen Riten: Sie formten daraus Bälle, die als Opfergaben dienten. Diese Zivilisation spielte übrigens das „juego de pelota“, ein Spiel mit einem Kautschukball.

Heute wird er in der Textilindustrie vor allem für Schuhe oder manche Taschen verwendet. Geschätzt wird er wegen seiner Stoßfestigkeit und seiner geringen Wärmeleitfähigkeit.

Laut WWF kann Naturkautschuk eine positive Wirkung haben, wenn er verantwortungsvoll angebaut wird. „Sein nachhaltiger Anbau, selbst auf stark degradierten Flächen, ermöglicht es, Ökosystemleistungen wiederherzustellen und Kohlenstoff zu binden.“ Insgesamt produzieren rund 6 Millionen Kleinbauern Naturkautschuk.*

Allerdings hat die nicht nachhaltige Produktion von Naturkautschuk negative Auswirkungen: Sie ist insbesondere für massive Entwaldung verantwortlich, vor allem in Südostasien.

Heute teilt sich der Kautschukmarkt zwischen Naturkautschuk und synthetischem Kautschuk. Letzterer ist eine industrielle Alternative zum pflanzlichen Kautschuk, aber weniger nachhaltig und weniger verantwortungsvoll, da er mithilfe umweltschädlicher Kohlenwasserstoffe hergestellt wird.

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Das Beispiel Veja: Unterstützung für fairen Naturkautschuk

Es lohnt sich, ein paar Zeilen beim Naturkautschuk zu verweilen, den die Marke Veja in ihren Sneakern verwendet. Laut der Marke enthalten alle Sohlen von Veja zwischen 18 und 22% Naturkautschuk*, der direkt bei den Gemeinschaften der „Seringueiros“ (Kautschukzapfer) im Amazonas-Regenwald gekauft wird. Amazonien ist der einzige Ort, an dem Hevea-Bäume noch wild wachsen.

Der Ansatz von Veja ist zugleich fair und ökologisch, ihre Mission ist es, „den Wald wirtschaftlich aufzuwerten, um ihn zu schützen“. Laut der Marke werden pro geerntetem 1 kg Kautschuk 1,2 Hektar Wald geschützt. Wir erklären es dir:

  • Veja kauft den wilden brasilianischen Kautschuk über dem Marktpreis. 2017 zahlte die Marke den „Seringueiros“ 2,77 €/kg, während der Preis für synthetischen Kautschuk zwischen 1,35 €/kg und 2,55 €/kg schwankte (an den Ölpreis gekoppelt). Dieser Preis ermöglicht den Gemeinschaften der „Seringueiros“, würdevoll zu leben und ihre Kultur und Lebensweise zu bewahren.
  • Das Einkommen, das die „Seringueiros“ aus den wilden Hevea-Bäumen erzielen, ist ein zusätzlicher Grund, sie zu schützen. Sie zapfen den Saft nämlich mit einer Methode, die dem Baum die Regeneration ermöglicht.
  • Die Marke Veja hat mit lokalen Akteuren (Staat, Universität, Aktivist*innen) zusammengearbeitet, um den Seringueiros technische Unterstützung zu bieten. Sie erhalten ein Kit, mit dem sie den flüssigen Saft zu Kautschukplatten verarbeiten können. Dieses Halbfertigprodukt verkaufen sie dann an Veja. So steigen die Einkommen der Produzent*innen, und die Entwaldung verliert noch mehr an Reiz.
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Wie wird aus Pflanzensaft Kautschuk?

Die Ernte des Rohkautschuks

Der Hevea- oder Kautschukbaum braucht zum Wachsen ein tropisches Klima, Wärme und Feuchtigkeit. Im Alter zwischen 5 und 30 Jahren wird aus ihm Latex gewonnen. Danach wird der Baum gefällt, um sein Holz zu nutzen.

Der Latex, aus dem Kautschuk entsteht, wird durch Einritzen des Stamms des Hevea-Baums gewonnen. Der austretende Saft wird in Bechern aufgefangen, um später zu Kautschuk verarbeitet zu werden. Aus diesem natürlichen pflanzlichen Material entstehen verschiedenste Produkte, von Autoreifen bis zu Taschen. Sein Name stammt übrigens vom indigenen Maipure-Wort „cahutchu“, das „weinendes Holz“ bedeutet, und spielt darauf an, wie der Latex beim Einritzen des Stamms wie eine Träne herabläuft.

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Vom Latex zum Kautschuk

Um Kautschuk zu gewinnen, muss der zuvor geerntete Latex koaguliert werden. Das natürliche Material wird mit Ammoniak stabilisiert und anschließend gepresst, um seinen Wassergehalt zu senken. So entstehen Kautschukballen, der Hauptbestandteil des fertigen Naturkautschuks.

Anschließend wird das gewonnene Material mit verschiedenen Reagenzien wie Schwefel oder Kohlenstoff vermischt, danach können synthetische Polymere eingesetzt werden, um ihm die gewünschten Eigenschaften zu verleihen.

Der Kautschuk kann dann zu den gewünschten Produkten verarbeitet werden, in der Textilindustrie etwa zu Taschen oder Schuhen.

Naturkautschuk: ein nachhaltiges und faires Material?

Der Kautschukanbau und die ökologische Herausforderung

Der Anbau des Hevea-Baums, auch „Kautschukbaum“ genannt, wirft dieselben Probleme auf wie der von Ölpalmen in Südostasien: die Entwaldung. In dieser Region konzentriert sich der Großteil der weltweiten Kautschukproduktion. Große Plantagen ersetzen die tropischen Wälder und zerstören mit ihnen deren reiche, endemische Artenvielfalt. Neben dem Einsatz von Pestiziden und anderen Schadstoffen laugt dieser Anbau die Böden aus und verschmutzt die Gewässer, wodurch die Erde ihre Fruchtbarkeit und ihren Reichtum verliert...

Deshalb ist es wichtig, auf Kautschuk aus verantwortungsvollen Quellen zu setzen, zum Beispiel mit FSC-Siegel (Forest Stewardship Council).

Naturkautschuk ist heute außerdem durch Mycrocyclus ulei bedroht, einen Pilz, der bereits in Brasilien wütet und sich nach Asien auszubreiten droht, wo der Hevea-Anbau konzentriert ist. Dieser Pilz befällt die Blätter, um seine Sporen zu bilden, und lässt sie vorzeitig abfallen. Dadurch wird die Photosynthese des Baums und somit seine Entwicklung und sein Überleben eingeschränkt.

Die Gefährdung dieser natürlichen Ressource bedroht die Kautschukproduktion, vor allem aber die Umwelt. Um den Mangel an Hevea auszugleichen, könnte die Industrie mehr synthetischen Kautschuk produzieren, der viel umweltschädlicher und deutlich weniger planetenfreundlich ist.

Kautschuk : welche Bilanz ?

Die Vorteile

Der Latex, aus dem Kautschuk entsteht, ist ein reichlich vorhandener natürlicher Rohstoff, dessen Anbau vor allem in Asien stark entwickelt ist. Kautschuk als natürliches pflanzliches Material kann den heutigen Herausforderungen hin zu einer ethischen und verantwortungsvollen Mode gerecht werden.

Die Nachteile

Der Anbau von Kautschuk ist heute nach wie vor sehr umstritten und trägt wie Palmöl zur Entwaldung in Asien bei. Der Einsatz von Pestiziden gefährdet die Landarbeiter*innen ebenso wie die Natur. Die Kautschukindustrie steht vor der Herausforderung des Verhältnisses zwischen Natur- und synthetischem Kautschuk, wobei Letzterer viel umweltschädlicher ist als sein pflanzliches Gegenstück. Die Recyclingverfahren für Kautschuk müssen verbessert werden, damit der Rohstoff wiederverwendet werden kann, ohne auf natürliche Ressourcen zurückzugreifen.


Kautschuk in Zahlen

Die Produktion von Naturkautschuk beträgt rund 11 Millionen Tonnen pro Jahr auf 10 Millionen Hektar Hevea-Anbaufläche, Millionen von Arbeitsplätzen hängen von diesem Anbau ab.

90% der weltweiten Produktion von Naturkautschuk stammen aus Asien, obwohl der Hevea-Baum ursprünglich aus Amazonien kommt. Thailand und Indonesien führen die Liste der Erzeugerländer von Naturkautschuk an, mit 32% bzw. 26% der Weltproduktion im Jahr 2013.

Erzeugerländer von Naturkautschuk in Tausend Tonnen

Die Produktion von synthetischem Kautschuk übersteigt die von Naturkautschuk und liegt bei rund 16 Millionen Tonnen pro Jahr. China ist der größte Produzent.

Erzeugerländer von synthetischem Kautschuk in Tausend Tonnen

Der Verbrauch von Naturkautschuk steigt heute weltweit.

Vor allem China trägt zu diesem Wachstum bei und macht 40% des weltweiten Verbrauchs aus. Die wachsende chinesische Mittelschicht trägt zum steigenden Kautschukverbrauch bei: Zwischen 2005 und 2016 ist er um 88% gestiegen. Dieses Wachstum hängt jedoch eher mit dem Aufschwung der Automobilindustrie als mit der Textilindustrie zusammen.

*Quelle: Veja

*Quelle: WWF

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