// Unsere (bescheidene) Meinung
Unsere Meinung zum ethischen und nachhaltigen Ansatz von Nu-in
// So sind wir vorgegangen
Wir analysieren den nachhaltigen und ethischen Ansatz einer Marke anhand der verfügbaren Daten. Dafür haben wir uns in die Lage einer Kundin oder eines Kunden versetzt und uns auf öffentliche Daten gestützt: die, die die Marke auf ihrer Website und in ihren sozialen Netzwerken veröffentlicht, und die von Drittpartnern, wenn sie diese nennt.
Wir haben die Wahrheit nicht gepachtet.
// Kurz gesagt
🤝 Die Produktionsstätten von Nu-in befinden sich überwiegend in Portugal, der Türkei und China. Nu-in veröffentlicht Informationen zu diesen Fabriken, gibt aber kaum oder keinen Zugang zu Dokumenten, mit denen sich gute Arbeitsbedingungen überprüfen lassen. Zudem stützt sich die Marke kaum auf soziale Siegel oder Zertifikate.
⚖️ Nu-in gehört zu 51 % einem Investmentfonds in Irland. Über diesen Fonds werden keine Informationen veröffentlicht (woher das Geld kommt, wer ihn leitet). Die Marke scheint sich weder mit der Menge der produzierten Kleidung auseinanderzusetzen noch den Überkonsum in Frage zu stellen.
01
Der nachhaltige Ansatz von Nu-in
Verwendete Materialien
| Umweltfreundliche Materialien | Nicht umweltfreundliche Materialien |
| Bio-Baumwolle (zertifiziert?) | BCI-Baumwolle |
| EcoVero Lenzing | Elasthan |
| Recycelte Baumwolle | Lycra |
| Recyceltes Polyester | |
| Sequal | |
| Ecotec cotton (upgecycelte Baumwolle) | |
| Tencel Lyocell | |
| Recyceltes Polyamid | |
| Bio-Elasthan? | |
| Recyceltes Elasthan |
Anteil umweltfreundlicher Produkte an der gesamten Kollektion
Von Nu-in veröffentlichte Informationen:
Die Marke scheint eine Reihe von Materialien zu verwenden, die wir als umweltfreundlich einstufen: Bio-Baumwolle, EcoVero, recycelte Baumwolle, recyceltes Polyester und Polyamid, Lyocell usw. (siehe vollständige Liste oben). Bei manchen Materialien wie Bio-Baumwolle oder recycelten Synthetikfasern stützt jedoch kein Hinweis auf eine Zertifizierung diese Angaben (insbesondere GOTS für Bio-Baumwolle oder GRS für recycelte Materialien).
Einige andere zu vermeidende Materialien wie Elasthan oder Lycra werden von der Marke verwendet, allerdings in Anteilen, die immer unter 5-10 % zu liegen scheinen.
Vorsicht dagegen bei BCI-Baumwolle: Sie ist keine Bio-Baumwolle (sie kann insbesondere Pestizide enthalten). Dieses Material ist sehr umstritten.
💬 Unsere Meinung:
✅ Die Marke Nu-in scheint Bio-Materialien (mit einer Zertifizierung zu überprüfen?) oder recycelte Materialien zu verwenden. Die Anteile zu vermeidender Materialien scheinen 5 bis 10 % der Produktzusammensetzung nicht zu überschreiten.
🔴 Die Angaben „Bio“ und „recycelt“ sind nicht durch Zertifizierungen belegt, daher können wir sie nicht überprüfen. BCI-Baumwolle ist sehr umstritten, vor allem weil der Einsatz von Pestiziden beim Anbau nicht verboten ist.
Ansatz bei Umweltsiegeln
Von Nu-in veröffentlichte Informationen:
Die Marke schreibt, dass sie zertifizierte Materialien verwendet, ohne die Zertifizierung zu nennen.
Die Marke nennt keinen Namen eines Umweltsiegels oder einer Umweltzertifizierung. Die Angaben „Bio“ oder „recycelt“ sind nicht überprüft.
💬 Unsere Meinung:
🔴 Die Marke scheint sich nicht um Zertifizierungen zu bemühen oder entscheidet sich, sie nicht zu veröffentlichen. Diese Informationen sind jedoch nötig, um die Angaben der Marke zu überprüfen.
Weitere umweltfreundliche Ansätze
Von Nu-in veröffentlichte Informationen:
Die Marke Nu-in spricht über mehrere Projekte, insbesondere das Projekt "Design for Circularity".
- Design for circularity: Laut der Marke wurden die Produkte "design for circularity" in jedem Prozessschritt so konzipiert, dass sie leicht recycelt und in einer Kreislaufwirtschaft gehalten werden können. Nu-in nennt insbesondere für die Jeans die Verwendung von reiner Baumwolle als Monomaterial, Färbetechnologien mit geringerem Wasserverbrauch, Waschungen mit geringer Umweltbelastung, Knöpfe statt Nieten sowie recycelte Metallkurzwaren mit umweltfreundlichem Finish (was bedeutet das?).
Um die Zusammensetzung der Produkte zu analysieren, haben wir zufällig 5 Produkte mit dem Hinweis "design for circularity" und 5 ohne den Hinweis ausgewählt. Dieser Hinweis betrifft bei der Marke Nu-in nur die Jeans. (Die Kurzwaren können wir leider nicht überprüfen, da wir keinen direkten Zugang zu den Produkten haben.)
Jeans mit dem Hinweis "design for circularity":
- 2 von 5 Jeans bestehen zu 100 % aus Bio-Baumwolle und ermöglichen so tatsächlich das Recycling dieses Monomaterials. (Mischmaterialien zu recyceln ist heute sehr schwierig oder sogar unmöglich.)
- 3 von 5 Jeans bestehen aus Mischmaterialien: recycelte Baumwolle, Bio-Baumwolle oder BCI-Baumwolle gemischt mit Elasthan, Lycra oder LYCRA® T400®.
Jeans ohne den Hinweis "design for circularity":
- 2 von 5 Jeans bestehen aus 80 % Bio-Baumwolle und 20 % recycelter Baumwolle
- 3 von 5 Jeans bestehen aus Mischmaterialien: recycelte Baumwolle, Bio-Baumwolle oder BCI-Baumwolle gemischt mit Elasthan, Lycra oder LYCRA® T400®.
Außerdem gibt die Marke an, recycelte, recycelbare und kompostierbare Verpackungen zu verwenden.
💬 Unsere Meinung:
✅ Die Marke scheint sich ganzheitlicher mit ihrer Umweltwirkung auseinanderzusetzen, insbesondere mit Verpackungen und dem Lebensende der Kleidung.
🔴 Von den Jeans mit dem Hinweis "design for circularity" bestehen 3 von 5 aus Mischmaterialien, was das Recycling sehr schwierig macht. Dieser Anteil ist derselbe wie bei den Jeans ohne den Hinweis. Wir verstehen daher den Unterschied zwischen den Jeans mit und ohne Hinweis nicht so recht. Die Marke gibt außerdem nicht an, wie die Jeans recycelt werden und wozu.
Unterstützung von NGOs oder Vereinen im Umweltbereich
Von Nu-in veröffentlichte Informationen:
Die Marke nennt die begünstigten Vereine ihrer Aktion "buy for good" nicht direkt, aber 30 % des Preises der unverkauften Ware der Marke werden an Vereine gespendet.
Einsatz für F&E und Labortests
Von Nu-in veröffentlichte Informationen:
Nu-in erwähnt weder Labortests noch F&E. Die Marke scheint sich in diesem Bereich nicht zu engagieren.
03
Der kommerzielle Ansatz von Nu-in
Vertrieb und Marketing
Das Vertriebskonzept von Nu-in wirkt aggressiv. Es gibt viel Werbung, Rabattcodes und E-Mails kommen sehr häufig (wir haben den Newsletter der Marke abonniert und fast alle 3 Tage eine E-Mail bekommen).
Die Marke scheint nicht auf "Slow Fashion" zu setzen, sondern eher auf ein Modell der "grünen Fast Fashion".
Sensibilisierung und Aufklärung zum Thema Überkonsum
Von Nu-In veröffentlichte Informationen :
Die Marke scheint nicht für Überkonsum und Überproduktion von Kleidung zu sensibilisieren. Sie scheint eher darauf ausgerichtet, Kleidung in großen Mengen zu verkaufen.
💬 Unsere Meinung:
In gerade einmal 1 Jahr scheint die Marke enorm viele Kleidungsartikel im Sortiment zu haben, zu niedrigen Preisen. Als junge Marke ist es oft schwierig, von großen "Skaleneffekten" zu profitieren. Wir stellen uns daher diese Frage:
- Entweder erzielt die Marke nur eine sehr kleine Marge auf die Produkte und setzt auf ein Geschäftsmodell mit hohen Verkaufsmengen (und muss also viel verkaufen, um rentabel zu sein).
- Oder die Marke gibt ohne Limit Geld aus (auch auf die Gefahr hin, Geld aus einem Investmentfonds zu verlieren), um das für diese "Skaleneffekte" nötige Volumen zu erreichen.
Wie auch immer: Die Marke scheint sich mit Materialien und Nähfabriken auseinanderzusetzen, vermittelt aber ein scheinbar transparentes Bild ihres Geschäftsmodells.
Was uns mit dieser Frage zurücklässt:
Kann "grüne" Fast Fashion die Mode retten? Anders gesagt: Kann es die Probleme der Modebranche lösen, immer mehr Kleidung zu verkaufen, selbst wenn sie nachhaltig ist?
Dieser Artikel wurde geschrieben von: Marie Nguyen.